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Hildesheimer Allgemeine Zeitung (27. Januar 2005) WEICHER KLANG Junger Kammerchor Hannover in St. Mauritius
HILDESHEIM. Ein großer Bogen war zu spannen im Konzert des Jungen Kammerchors Hannover in der Mauritiuskirche: von geistlicher Chormusik zu weltlicher Chormusik, von der Renaissance über die Romantik zur Moderne. Ganz klar, dass solch unterschiedliche Stilrichtungen ganz unterschiedliche Anforderungen an die Sänger und ihren Chorleiter Andreas Mattersteig stellen. Gleich zu Beginn, in Claudio Monteverdis "Pianto della Madonna", galt es, der Spannung aus polyphoner Stimmführung und homophonem Klangempfinden standzuhalten. Intonation, Artikulation und Rhythmus, all das schien zu sitzen, doch - was meist fehlte, war der Fluss.Selbstverständlich hat ein solches Werk ein Gerüst, das ausgeklügelt und faszinierend ist, doch richtig faszinierend wird es, wenn sich die Sänger so weit davon lösen können, dass es in den Hintergrund rückt und die Stimmen zu fließen scheinen. Bemerkenswert hingegen der volle, weiche und gut gemischte Klang des Chors, ein Klang, der später in den romantischen Liedern noch voll zur Geltung kommen sollte.
Klare Aussage
Auch in vic Nees' "Magnificat" aus dem Jahr 1981 konnte dieser Klang immer wieder durchscheinen, die polyphone Stimmführung gelang diesmal selbstbewusster und fließender als zu Anfang. Die helle und sehr direkte Sopranstimme der Solistin Ina Jannsen konnte sich gut abheben gegen den Chorklang. So formte sie die sich aufschwingende Melodie zu Beginn des Soloparts bestimmt und zielgerichtet, eine ganz klare Aussage, auch für den Rest des Werkes sollte sie das so beibehalten.Technisch anspruchsvoll gestalteten sich die Aufgaben des Chores: komplizierte Intervallsprünge, teils impressionistisch anmutende Klänge synkopisierte Rhythmen. Dies alles gelang sehr gut, nur fehlte wiederum das letzte Quäntchen, der Fluss, der aus der Freiheit entsteht, in großen einheiten, in Bögen zu denken. Wirklich fesselnd hingegen der Mittelteil in den Frauenstimmen: Akkorde voller Spannung - Reibungen, die sich "auflösten" in eine neue Spannung.Die Fähigkeit des Chores zu vollen Klängen beeindruckte in den romantischen Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, und Robert Schumann sowie im "Minnelied" von Ernst-Lothar von Knorr.
Der Umgang mit der Musik gestaltete sich bei diesen Werken spielerischer. Somit war auch die Freiheit gegeben für eine gelöste, eine ganz selbstverständlich wirkende, fließende Agogik. sus
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